Igel unterwegs © Pro Natura Aargau
12.01.2026

Tier des Jahres 2026: Der Igel zeigt, warum Natur unsere Infrastruktur ist

Der Braunbrustigel ist Tier des Jahres 2026. Mit der Wahl rückt Pro Natura eine Tierart ins Zentrum, die sinnbildlich für die Herausforderungen im dicht besiedelten Mittelland steht – und für die zentrale Bedeutung von Natur im Siedlungsraum. Auch im Aargau ist der Igel zunehmend unter Druck.

Der Igel (Erinaceus europaeus) gilt als einer der bekanntesten und beliebtesten Wildtiere der Schweiz. Doch gerade dort, wo er früher häufig war – in Gärten, Quartieren und Grünanlagen – wird sein Lebensraum immer knapper. Versiegelte Flächen, zerschnittene Grünräume, der Rückgang von Insekten sowie Gefahren durch Verkehr und Mähroboter setzen den Tieren stark zu.

Igel im Aargau: Leben im Fragment

Der Aargau ist einer der dichtest besiedelten Kantone der Schweiz. Siedlungen, Verkehrsachsen und intensiv genutzte Grünräume prägen das Landschaftsbild – besonders im Mittelland. Genau hier lebt auch der Igel. Er ist auf strukturreiche Gärten, Hecken, offene Bodenflächen, sichere Durchgänge und ein ausreichendes Nahrungsangebot angewiesen.

„Der Igel zeigt uns sehr deutlich, was passiert, wenn Natur im Siedlungsraum nur noch als Restfläche betrachtet wird“, sagt Matthias Betsche, Geschäftsführer von Pro Natura Aargau. „Für den Igel – und letztlich auch für uns Menschen – braucht es zusammenhängende, lebendige Grünräume. Natur funktioniert hier wie eine Infrastruktur: Sie verbindet, schützt und sorgt für Lebensqualität.“

Beobachtungen aus dem Aargau und Meldungen aus Pflegestationen deuten darauf hin, dass Igel zunehmend geschwächt, verletzt oder untergewichtig aufgefunden werden – ein Warnsignal für den Zustand unserer Siedlungsnatur.

Natur als Infrastruktur im Alltag

Der Igel ist kein Waldtier, sondern ein Mitbewohner unserer Dörfer und Städte. Sein Überleben hängt direkt davon ab, wie wir Freiräume gestalten: ob Gärten durchlässig sind, ob es Hecken und Laubhaufen gibt, ob auf Pestizide verzichtet wird und ob Quartiere vernetzt gedacht werden.

„Wenn Grünflächen nur noch dekorativ sind, verlieren sie ihre ökologische Funktion“, so Betsche. „Der Igel macht sichtbar, dass wir Natur im Siedlungsraum wieder als das verstehen müssen, was sie ist: eine grundlegende Infrastruktur für Biodiversität, Klimaresilienz und Gesundheit.“

Was jetzt zählt

Mit dem Tier des Jahres 2026 ruft Pro Natura dazu auf, Natur im Alltag bewusst mitzudenken – bei der Gartengestaltung ebenso wie in der Raumplanung und der kommunalen Entwicklung. Schon einfache Massnahmen wie Igeldurchgänge, strukturreiche Grünflächen, weniger Licht und naturnahe Pflege können viel bewirken.

Pro Natura Aargau engagiert sich seit Jahren für mehr Natur im Siedlungsraum – unter anderem durch Beratung, Sensibilisierung und politische Arbeit für eine qualitätsvolle Innenentwicklung.

„Der Igel erinnert uns daran, dass eine lebenswerte Zukunft nicht an der Siedlungsgrenze endet“, sagt Betsche. „Ob unsere Gemeinden funktionieren, entscheidet sich auch daran, wie gut Natur in ihnen Platz hat.“