Waldweide Erzenbergrütene © Sara Bangerter
Wald

Waldweide in der Erzenbergrütene

Die Erzenbergrütene trägt das Wort ‘reuten = roden’ im Namen. Sie wurde unter grossem Aufwand dem Wald abgerungen. Möglicherweise wurde danach immer wieder ‘gereutert’, um der drohenden Verwaldung entgegenzuwirken. Trotzdem hat sich an diesem schattigen Nordhang der Wald seit den 1940er-Jahren immer mehr ausgebreitet. Zusammen mit dem Forstbetrieb Frenkentäler hat Pro Natura nun auf zwei Hektaren den Wald stark ausgeholzt und so die Bedingungen für eine Waldweide geschaffen.

Waldweiden bieten als Übergangslebensräume zwischen Wald und Offenland besonders viele Nischen für verschiedenste Arten. Zwischen dichteren Baumbeständen, Einzelbäumen, Gebüschen und Kleinstrukturen fühlen sich hier viele Tier- und Pflanzenarten zu Hause. Auf der Erzenbergrütene entspringt zudem eine kleine Quelle, welche das Gebiet zusätzlich bereichert.

Trotz ihrem grossen Beitrag zur Artenvielfalt sind Waldweiden in den meisten Kantonen als «nachteilige Nutzung» des Waldes verboten und daher bewilligungspflichtig. Heute wissen wir, dass es sehr sinnvoll sein kann, diese Bewirtschaftungsform kontrolliert einzusetzen, um Lebensräume zu erhalten.

Gefranster Enzian (Gentiana ciliata) © Sara Bangerter
Der Gefranste Enzian (Gentiana ciliata) bietet Insekten im Spätsommer ein wichtiges Nektarangebot.

Rinder auf einer Waldweide © Sara Bangerter
Die Rinder schätzen den Schatten der Bäume. Sie sorgen dafür, dass junge Eschen und Buchen nicht Überhand nehmen.

In der Erzenbergrütene wurde die Fläche 2025 zuerst stark ausgeholzt. Das dabei entstandene Schlagholz wurde von unseren Zivildienstleistenden zu Haufen geschichtet, sodass sich in der neu entstandenen offenen Fläche eine Gras- und Krautschicht entwickeln konnte.

Wo vorher dichter Wald stand, finden wir heute zahlreiche Pflanzenarten mit einem reichen Blütenangebot für Insekten, Altholzstrukturen und Inseln mit dichter Vegetation rund um dornige Sträucher als Versteck für Amphibien und Kleinsäuger.

 

Waldweide Erzenbergrütene © Sara Bangerter
Nach der Auslichtung hat sich rasch eine Gras- und Krautschicht entwickelt – beste Bedingungen für die Rinder, die hier von Mai bis Oktober weiden.

Schlagholz nach Eingriff © Sara Bangerter
So sah die Erzenbergrütene nach dem Einsatz 2025 aus. Das Schlagholz wurde von Zivis zusammengeschichtet.

Im Hinblick auf den Klimawandel erhalten nordexponierte Standorte wie die Erzenbergrütene immer mehr Bedeutung. Wenn es rundum heiss und trocken ist, finden hier viele Arten Zuflucht vor den Extrembedingungen. Die Waldweide in der Erzenbergrütene ist daher ein Pionierprojekt in der Schaffung von zukunftsfähigen Übergangslebensräumen zwischen Wald und Offenland.