Wiedervernässter Wald © Sara Bangerter
Wald

Renaturierung feuchter Waldstandorte

Für viele ist der Wald der Inbegriff intakter Natur. Wir suchen ihn auf, um uns zu erholen und um Schatten zu finden. Tatsächlich ist der Wald, wie wir ihn heute antreffen, das Resultat zahlreicher Eingriffe durch gezielte Anpflanzungen und Entwässerung des Waldbodens. Durch die Wiedererstellung feuchter Waldstandorte und der Reduktion von holzwirtschaftlichen Eingriffen, soll hier die Natur wieder mehr Platz haben.

Feuchte Waldstandorte im Aargau

Nicht nur entlang von Flüssen, in der Form von Auenwäldern, sondern auch in ehemals vergletschertem Gebiet, wo oft eine Lehmschicht über der Moräne das Versickern des Wassers verhindert, und rund um die zahlreichen Quellen, die unsere Bäche und Flüsse speisen, hatten sich feuchte Waldstandorte gebildet. Sie sind charakteristisch für ihre an diesen Lebensraum angepassten Arten. Das Laub und abgestorbene Pflanzenteile vermoderten hier nur langsam, wodurch CO2 gespeichert wird und Wasser wie in einem Schwamm zurückgehalten wird.

Entwässerungsgraben © Sara Bangerter
Ein typischer Entwässerungsgraben im Wald.

Entwässerung für mehr Sicherheit und Produktion

Um den Hochwasserschutz zu verbessern oder den Holzertrag zu erhöhen, wurden diese Standorte ab Mitte des 19. Jahrhunderts entwässert. Flüsse und Bäche wurden begradigt und ein weit verzweigtes Grabennetz diente dazu, das Wasser möglichst schnell abzuleiten. Dadurch wuchsen die Bäume schneller, Arten wie die Fichte konnten grossflächig angebaut werden. Aber der Wald wurde dadurch auch in seiner ursprünglichen Funktionen als Wasser- und CO2-Speicher und als Trinkwasseraufbereiter eingeschränkt.

Lidar-Aufnahmen von Satelliten lassen Gräben erkennen © AGIS
Durch Lidar-Aufnahmen von Satelliten können wir heute Strukturen wie Gräben flächendeckend erkennen. Hier die Entwässerungsgräben im Langholz bei Riken AG. Die Abstände zwischen den Gräben betragen 13-25 m

Feuchte Wälder in heissen Zeiten

Im Kontext zunehmender Extremereignisse wie Starkregen und Trockenheit rückt der Wald als regulierender Wasserpuffer und -speicher stärker ins Zentrum. Dies hat der Regierungsrat des Kantons AG erkannt und als Gegenvorschlag zur Gewässerinitiative Ende 2024 beschlossen, bis 2040 rund 300 Hektaren ursprünglich feuchter Wald wieder herzustellen.

 

Die Wilde Brustwurz (Angelica sylvestris) ist eine typische Bewohnerin feuchter Waldstandorte. © Sara Bangerter
Die Wilde Brustwurz (Angelica sylvestris) ist eine typische Bewohnerin feuchter Waldstandorte.

Wir sind vorne mit dabei

Auch Pro Natura Aargau legt bei der Aufwertung von Lebensräumen den Fokus verstärkt auf die Wiederherstellung feuchter Waldstandorte. Gemeinsam mit Waldeigentümerinnen und -eigentümern sowie Försterinnen und Förstern erarbeiten wir Konzepte, um die natürliche Wasserdynamik wiederherzustellen.

Bei Interesse oder Fragen können Sie sich gerne direkt an uns wenden: [email protected]