Wiedervernässung von Wald
Klimaereignisse wie langanhaltende Trockenheit und zunehmende Starkniederschläge rücken die Funktion des Waldes als regulierenden Puffer immer stärker ins Zentrum. Besonders feuchte Waldstandorte gewinnen dabei neben ihrer Rolle als Lebensraum für zahlreiche Arten eine zusätzliche, tragende Bedeutung. Der Kanton Aargau hat als Gegenvorschlag zur Gewässerinitiative Ende 2024 beschlossen, bis 2040 rund 300 Hektaren Wald wieder zu vernässen. Ziel ist es, nassen Waldstandorten ihre ursprünglichen ökologischen Funktionen zurückzugeben.
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© Sara Bangerter
- Typischerweise wurden Wälder mit Gräben entwässert.
Ende des 18. Jahrhunderts wurden diese Waldstandorte – wie ein Grossteil der Agrarflächen im Mittelland – systematisch entwässert, um die land- und forstwirtschaftliche Produktion zu steigern. Durch die Begradigung von Flüssen und Bächen, und ein weit verzweigtes Grabennetz, wurde das Wasser abgeleitet. In den entwässerten Wäldern wuchsen die Bäume zwar schneller, gleichzeitig verschwanden jedoch typische Lebensräume wie Auen- und Bruchwälder, Wälder an Quellstandorten oder Übergangswälder zu Mooren nahezu vollständig aus der Landschaft.
Nasse und feuchte Wälder sind von kontinuierlich hohen oder stark schwankenden Wasserständen geprägt. Die hier wachsenden Baum- und Straucharten sind oft kurzlebiger, ihr Holz ist weich und der Anteil an Totholz hoch. Dieses wird von zahlreichen Pilz und Insektenarten zersetzt und bietet Vögeln wie Meisen und Spechten ideale Brut- und Nahrungsbedingungen. Gleichzeitig sind diese Wälder Lebensraum für Arten wie Sumpffarn, Grasfrosch und Feuersalamander sowie für den Kleinen und Grossen Schillerfalter oder den Grossen Eisvogel.
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- Durch Lidar-Aufnahmen von Satelliten können wir heute Strukturen wie Gräben flächendeckend erkennen. Hier die Entwässerungsgräben im Langholz bei Riken AG. Die Abstände zwischen den Gräben betragen 13-25 m
Feuchte Wälder in heissen Zeiten
Im Kontext der Klimaresilienz erhält die Wiedervernässung eine neue Bedeutung. Waldböden wirken wie Schwämme, die Wasser aufnehmen und über lange Zeit speichern. Bei Starkregen verzögern sie zusammen mit dem Baumbestand den Abfluss und dämpfen Hochwasserspitzen. In Trockenperioden steht das gespeicherte Wasser der Vegetation länger zur Verfügung, während die anhaltende Verdunstung das lokale Klima kühlt. Zusätzlich leisten feuchte Wälder einen wichtigen Beitrag zur Grundwasserneubildung und erhöhen den Wert des Waldes als attraktiven Naherholungsraum.
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- Die Wilde Brustwurz (Angelica sylvestris) ist eine typische Bewohnerin feuchter Waldstandorte.
Das Ziel von Pro Natura Aargau ist es, die Lebensräume in ihren Schutzgebieten bestmöglich aufzuwerten und zu renaturieren. Davon zeugen zahlreiche Projekte in Auen, Moore und Feuchtgebiete. Künftig möchte Pro Natura Aargau den Fokus verstärkt auf die Wiedervernässung von Wäldern legen. Gemeinsam mit Waldeigentümerinnen und -eigentümern sowie Försterinnen und Förstern erarbeiten wir Konzepte, um die natürliche Wasserdynamik wiederherzustellen. Bei Interesse oder Fragen können Sie sich gerne direkt an uns wenden: [email protected]
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