Quellaustritt cr Oscar Voser

Erfassung natürlicher Quellen im Aargau

Viele Quellen sind gefasst, andere beeinträchtigt. Natürliche, ungestörte Quell-Lebensräume sind sehr selten geworden. Standort und Zustand der letzten natürlichen Quellen sind aber oftmals unbekannt. Mit der Unterstützung von Freiwilligen möchte dies Pro Natura Aargau gemeinsam mit dem Jurapark Aargau ändern.

Schweizweit kommen rund 100 Tierarten in Quellen vor. Diese Arten – wie etwa die Quelljungfer oder bestimmte Köcher- und Steinfliegen – sind hochspezialisiert und genau an diesen speziellen Lebensraum angepasst. Doch zahlreiche Quellen werden in Drainage-Röhren abgeleitet oder für die Trinkwassernutzung gefasst. Deshalb sind sehr viele Quell-Lebensräume verschwunden oder beeinträchtigt. Heute weiss man im Kanton Aargau nicht, wo die letzten natürlichen Quellen noch sprudeln und welche besonders wertvoll sind.
Mit einer Kartierung setzten sich Pro Natura Aargau und der Jurapark Aargau in Zusammenarbeit mit den Kanton Aargau dafür ein, dass die Quell-Lebensräume und somit diese seltenen Arten besser bekannt und geschützt werden.

Marianne Rutishauser
@email
062 823 00 20



Freiwillige engagieren sich für die Quell-Kartierung

Freiwilligenteam Quellen cr PNA Pro Natura Aargau

In einem Pilotprojekt erfassten Freiwillige in zwei Gebieten die noch vorhandenen natürlichen Quellen. Die ersten Resultate sind bedenklich. Um die Wissenslücken zu schliessen, möchte Pro Natura Aargau mit dem Jurapark Aargau in einem partnerschaftlichen Projekt von 2021-2023 die gesamte nördliche Kantonshälfte kartieren.

Die gesammelten Daten fliessen anschliessend in eine Datenbank. Die Ergebnisse dienen als Grundlage für den Schutz und die Förderung der Quell-Lebensräume, für die Beurteilung von Bauprojekten und für Bildung und Forschung. Erste Projekte zur Renaturierung von Quellen sind in Planung.

Wir suchen freiwillige Kartiererinnen und -Kartierer für die nördliche Kantonshälfte

Möchten Sie dabei sein und konkret etwas zum Schutz unserer natürlichen Quellen beitragen? Nach einer halbtägigen Ausbildung 2021 oder 2022 werden Sie mögliche Standorte draussen aufsuchen, anhand eines Datenblattes kurz beurteilen und fotografisch festhalten.

  • Sie benötigen keine speziellen Vorkenntnisse.
  • Etwas Geländegängigkeit und Kenntnisse im Kartenlesen, sowie Zeit und Freude an der Natur sind von Vorteil.
  • Die Zeit kann frei eingeteilt werden. Nach Besuch der Ausbildung sollten mindestens drei bis vier Tageseinsätze gemacht werden.
  • Wir versuchen Standorte in Wohnortnähe zuzuteilen.

Voranmeldung zur Mitarbeit beim Folgeprojekt von Jurapark Aargau und Pro Natura bei: Marianne Rutishauser, @email, 062 823 00 20

Resultate aus dem Pilotprojekt

Zahlreiche freiwillige Kartierer und Kartiererinnen suchten und erfassten 2019-2020 im Pilotprojekt im unteren Reusstal und in der ersten Jurakette die letzten natürlichen Quell-Lebensräume.

Die Resultate aus dem Pilotprojekt bestätigen die Vermutung, dass es um unsere Quell-Lebensräume nicht sehr gut steht. Nur knapp ein Viertel der Quellen weist einen natürlichen oder mässig beeinträchtigten Quell-Lebensraum auf. Die restlichen Quell-Lebensräume sind allesamt zerstört und bieten kaum Lebensraum für die gefährdeten Quelltiere. Dieser Anteil ist in Realität mit grosser Wahrscheinlichkeit noch höher, da viele Quellfassungen und Drainagen nicht bekannt sind.

Die noch vorhandenen Quell-Lebensräume sind zumeist klein, haben einen geringen Abfluss (Schüttung) und sind durch Viehtritt oder bauliche Massnahmen beeinträchtigt. Deshalb verwundert es nicht, dass die Quell-Lebensräume schweizweit zu den am stärksten gefährdeten Gewässer-Lebensräumen gehören. Die wenigen noch natürlichen Quellen befinden sich hauptsächlich im Wald (82%).

Partner Pilotprojekt: Bundesamt für Umwelt (BAFU), Swisslos Kanton Aargau, Gewässerschutzlabor Kanton Bern und Pro Natura Bern

Tipps für den Quellenschutz

  • Den direkten Quellbereich freihalten von Störungen (z.B. Abfall, Nährstoffen, Viehtritt, Besucher, Entfernen von Nadelbäumen)
  • Mitmachen bei der Erfassung der Quelllebensräume
  • Den Wasserverbrauch reduzieren
  • Aufgegebene Quellfassungen melden und zur Aufwertung zur Verfügung stellen. Wir unterstützen Sie gerne dabei.

Eindrücke

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