Einweihung Seitenarm Reuss creaNatira
Gewässer

Einweihung Grien – ein neuer Seitenarm für die Reuss

Nach einem rund zehnjährigen Bewilligungsverfahren war es am 17. Oktober 2026 soweit: Das Renaturierungsprojekt Grien in Fischbach-Göslikon wurde eingeweiht. Das Interesse in der Bevölkerung war gross – auch bei Regenwetter.
Der letzte Stich zum Durchbruch

Ein eindrückliches Bild am Tag der Einweihung: Ein Bagger steht bereit für den Durchstich des neuen Seitenarms. Nach knapp zehn Minuten ist das Kunststück vollbracht, und der Seitenarm füllt sich mit Wasser. Die ersten Fische lassen nicht lange auf sich warten: Im neuen Einlaufbereich zeigen sich bald Fische wie Schneider, Lauben und Alet. Auch Eisvögel fühlen sich im Renaturierungsgebiet wohl: In die Abhänge am Seitenarm können sie ihre Bruthöhlen graben und im Wasser Fische fangen. Am Tag der Einweihung war der Eisvogel meist im Flug zu beobachten.

 

Einweihung Seitenarm Reuss creaNatira
Der Bagger entfernt den letzten Kies, um den neuen Seitenarm der Reuss zu öffnen.
Zum Projekt

Mit dem Auenprojekt Grien erhält die Reuss wieder mehr Raum und Natürlichkeit. Der neue Seitenarm ist ein wichtiger Schritt für die Weiterentwicklung der Aue und die Wiederherstellung einer natürlichen Flussdynamik. Zudem wurden Kies- und Sandbänke aufgewertet und natürliche Flussstrukturen wiederhergestellt, was Lebensraum für Tiere und Pflanzen fördert. Rund 12'000 Kubikmeter kiesiges Material wurden in die Reuss gegeben, um das Geschiebedefizit auszugleichen – eine wichtige Voraussetzung für funktionierende Laichgebiete der Fische und eine lebendige Auenlandschaft. Denn ein Seitenarm mit ruhigen Abschnitten ist eine gute Kinderstube für heranwachsende Fische.

Der Seitenarm ist rund 250 Meter lang und etwa 30 Meter breit. So entstand eine Insel von über einer halben Hektare. Sie ist bisher noch namenlos: Viele Besucherinnen und Besucher der Einweihung beteiligten sich mit Freude am Namenswettbewerb und gaben Vorschläge für die Insel ab. Über diese wird nun intern abgestimmt.

Auch der Mensch soll in den Auen nicht fehlen. Deshalb entstand ein Picknickplatz mit Grillstelle. Der Uferweg wurde von der Reuss an den Rand der Aue verlegt und ermöglicht einen guten Einblick in die Aue. Zudem werden Infotafeln mit Informationen und Wegweiser zur Lenkung der Besuchenden aufgestellt.

Möglich wurde das Projekt auch dank der Unterstützung von Bund und Kanton, des naturemade star-Fonds von ewz, Pro Natura und der Fischereikommission der Stadt Bremgarten, die als Projektsponsor beteiligt waren. Bewirtet wurden die Gäste an der Einweihung vom Turnverein Fischbach-Göslikon.

Matthias Betsche an der Einweihung im Grien creaNatira
Matthias Betsche spricht über modernen Naturschutz.
Grien als Beispiel für modernen Naturschutz

«Das ist moderner Naturschutz», sagte Matthias Betsche, Geschäftsführer von Pro Natura Aargau, in seiner Rede. «Modern, weil man nicht nur bewahrt, was ist. Man stellt Neues her und investiert in die Zukunft.» Ein solches Projekt zu verwirklichen, brauche allerdings Land, Planungen, Bewilligungen und Beharrlichkeit. Das zeigt auch die Geschichte von Grien: 2016 wurde das Projekt öffentlich aufgelegt, mehrere Einwände verzögerten es um rund zehn Jahre.

Auenschutzpark – zwischen Quantität und Qualität

Der Aargau hat sich 1993 zum Ziel gesetzt, auf einem Prozent der Kantonsfläche einen Auenschutzpark zu schaffen. Dieses Ziel ist heute erreicht. Betsche betonte aber, dass man sich darauf nicht ausruhen dürfe: Das qualitative Ziel einer funktionierenden Gewässerlandschaft sei noch nicht erreicht. «Es gibt noch viele Flussabschnitte, wo es Auenlandschaften braucht, damit das Ökosystem funktioniert.»

Die Auenrenaturierung Grien ist dabei ein wichtiges Vorzeigebeispiel und ein Wegweiser für künftige Projekte dieser Art.

Eckdaten zum Projekt
  • Ziel: neuer Seitenarm der Reuss für Hochwasserschutz und Artenvielfalt
  • Kosten: 2,1 Millionen Franken
  • Projektsponsor: naturemade star-Fonds von ewz
  • Projektperimeter: 3,7 ha
  • Seitenarm: rund 250 m lang, etwa 30 m breit
  • Insel: über 0,5 ha
  • Umplatziertes Material: 7'000 m³, v. a. Sand
  • Geschiebeanreicherung in die Reuss: 12'000 m³ kiesiges Material
  • Verfahren: 2016 aufgelegt, rund zehn Jahre bis zum Abschluss

Autorin: Friederike Stöckmann | 27.10.2026