Auenrenaturierung Grien in Fischbach-Göslikon © HZP
Gewässer

Mehr Raum für die Reuss – Auenrenaturierung Grien in Fischbach-Göslikon

Die Reuss war einst ein frei mäandrierender Fluss mit weitläufigen Auen und hoher Artenvielfalt. Durch Korrekturen und Verbauungen ging viel dieser Dynamik verloren. Mit der Auenrenaturierung Grien in Fischbach-Göslikon erhält der Fluss nun wieder mehr Raum – für Natur, Landschaft und Mensch.
Natürliche Dynamik der Reuss

Zwischen Bremgarten und Windisch schlängelte sich die Reuss einst frei über 25 Kilometer durch die Landschaft. Typisch für diesen natürlichen Flusslauf waren weit ausgeprägte Mäander: geschwungene Flussschlingen mit ruhigem Gefälle.

An den Innenkurven entstanden sogenannte Gleithänge. Hier floss das Wasser langsamer, Kies und Sand lagerten sich ab, und es bildeten sich breite Kiesbänke, Seitenarme und Auenwälder. Diese vielfältigen Lebensräume boten ideale Bedingungen für seltene Vogelarten wie Flussseeschwalben oder Flussregenpfeifer.

Ein typischer Gleithang in Mellingen. © Ulysses Witzig
Ein typischer Gleithang in Mellingen.

An den Außenkurven hingegen wirkten starke Strömungen. Der Prallhang wurde ständig abgetragen, das Ufer war steil und das Wasser tief. Dieses Zusammenspiel von Ablagerung und Erosion prägte die lebendige Dynamik der Auenlandschaft.

Dieser Prallhang in Mellingen ist massiv verbaut. © Ulysses Witzig
Dieser Prallhang in Mellingen ist massiv verbaut.

Michaeliskarte © AGIS
Die Michaeliskarte (1840) zeigt den ursprünglichen Flussverlauf der Reuss.
Vom Naturfluss zur korrigierten Reuss

Historische Karten, wie die Michaeliskarte um 1840, zeigen eindrücklich die ursprünglichen Mäander der Reuss und erste Eingriffe des Menschen. Einige Flussschlingen waren damals bereits vom Hauptstrom abgetrennt und begannen zu verlanden.

Im 19. Jahrhundert wurde die Reuss gezielt begradigt, um Hochwasser zu reduzieren und Land zu gewinnen. Mäander wurden durchstochen, der Flusslauf verkürzt und die Fliessgeschwindigkeit erhöht.

Die Folgen waren tiefgreifend: Überschwemmungen nahmen zwar ab, doch gleichzeitig verschwanden viele natürliche Lebensräume. Ehemalige Flussschlingen verlandeten, die Auen gingen zurück, und das Flussbett tiefte sich durch die stärkere Strömung zunehmend ein. Später versuchte man, diese Entwicklung mit Schwellen und Uferverbauungen zu stabilisieren.

Das Auenprojekt Grien – Natur neu gestalten

Heute knüpft das Auenprojekt Grien an diese Idee an. Ziel ist es, der Reuss wieder mehr Raum und Natürlichkeit zurückzugeben.

Geplant sind unter anderem:

  • die Schaffung eines neuen Seitenarms
  • die Aufwertung von Kies- und Sandbänken
  • die Wiederherstellung natürlicher Flussstrukturen
  • die Förderung von Lebensräumen für Tiere und Pflanzen 

Durch gezielte Zugabe von Kies wird das Geschiebedefizit ausgeglichen – eine wichtige Voraussetzung für funktionierende Laichgebiete von Fischen und eine lebendige Auenlandschaft.

Auch die Bevölkerung profitiert: Ein naturnaher Erholungsraum mit Picknickplätzen und Informationsangeboten entsteht. Gleichzeitig sorgt ein Besucherlenkungskonzept dafür, dass sensible Bereiche geschützt bleiben.

Ein Fluss mit Zukunft

Die Reuss ist heute ein Beispiel dafür, wie sich Natur und Mensch wieder annähern können. Wo einst strikte Kontrolle dominierte, entsteht Schritt für Schritt wieder ein dynamischer Lebensraum – vielfältig, lebendig und zukunftsfähig.